Modul 1 | 1.Tag

Der Start in die curriculären Intensivseminare der Implantatprothetik-Akademie ZT an der Charité in Berlin. Einem Gemeinschaftsprojekt der DGI und der FZT. Die Seminare für das Jahr 2019 sind mit 20 Teilnehmern voll ausgebucht. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland – von Nord nach Süd – und sogar aus Österreich.  Herzlich willkommen in Berlin! Prof. Dr. Florian Beuer verspricht bei der Begrüssung neben viel fachlicher Information vor allem eines: „Wir wollen vier Wochenenden lang viel Spass miteinander haben, das Zusammensein geniessen und viele interessante Diskussionen führen…“ Den Einstieg ins Fachliche macht der Generalsekretär der FZT Ralf Suckert mit dem Thema „Dokumentation“. Als Gastdozenten hat er den Dentalfotografen Jo Werner dabei, der den Teilnehmern einen zusammenfassenden Einblick in die Welt der Fotografie gibt. Dann wir´s praktisch: Porträtfotografie, Tipps zu Intraoralaufnahmen und Table-Top-Fotografie. Applaus für das Dozenten-Team.
Anschließend steigen Florian Beuer und Björn Roland in den Ring und beleuchten das Thema Backward-Planning. Klare Ansagen – gut dokumentiert. Zum Abschluss des ersten Seminartages bringt PD Dr. Frank Peter Strietzel das anatomische Wissen der Teilnehmer auf Vordermann. Alles andere als langweilig. Am Abend laden die Veranstalter zum Abendessen beim Italiener um die Ecke ein. Die Gemeinschaft wächst zusehends zusammen. Ein toller erster Tag.

 

Fotografie: Yuhki Oka, Berlin

Modul 1 | 2.Tag

Punkt neun Uhr starteten wir in den zweiten Tag. Die 3D-Planung schloss sinnvoll an die Anatomie-Auffrischung des Vortrages an. Die Planung der Implantatposition gehört eigentlich in den Aufgabenbereich des Zahnarztes. Anspruchsvolle Zahnärzte wollen aber auch hier auf die prothetische Expertise ihres zahntechnischen Labors nicht verzichten und beziehen den Zahntechniker frühzeitig ein. Voraussetzung: Man kann mit der Planungssoftware umgehen. Björn Roland ist in Sachen 3D-Planung ein sehr versierter Ansprechpartner und er verdeutlichte anhand exemplarischer Patientenfälle die Wichtigkeit der zahntechnisch-prothetischen Analyse und Diagnostik. Dann wurde es gleich wieder interaktiv und die Teilnehmer durften an den von Straumann fertig konfigurierten Rechnern Platz nehmen (immer zu zweit an einem Rechner). Der Dozent spielte zuerst die Planung eines Patientenfalles komplett durch und wiederholte das Procedere dann gemeinsam mit den Teilnehmern. Da ging schon das eine oder andere Stöhnen durch den Saal, denn 3D war für einige Kolleginnen und Kollegen eher Neuland. Aber der Dozent und ein Mitarbeiter von Straumann ließen keinen hängen und standen mit Rat und Tat zur Seite. Die Mittagspause erlöste die Teilnehmer: Pizza, Pasta oder lieber Insalata? Die Gastfreundschaft bei diesem Curriculum ist vorbildlich.
Nach der Mittagspause wartete schon der nächste Dozent mit einem spannenden Thema. Ralf Suckert stellte die These auf: „Kommunikation ist professionelle Basiskompetenz“ – und den Beweis blieb er auch nicht lange schuldig. Er brachte den Teilnehmern bei, wie wichtig es ist die richtigen Worte zu finden, aktiv zu zuhören und auch die Körpersprache des Gegenüber in eine erfolgreiche Kommunikation einzubinden. Ausführlich behandelte er ein deeskalierendes Konfliktmanagement und das Thema Patientenkontakt. Die Teilnehmer bedankten sich mit viel Applaus für den knackigen Einstieg in die ungewohnte Welt professioneller Kommunikation. Pünktlich um 16:00 Uhr war das erste Modul zu Ende. Auch das Zeitmanagement hatte perfekt geklappt. Chapeau – ein gelungener Auftakt!
Wie es sich für ein richtiges Curriculum gehört, gab es natürlich noch eine kleine Hausaufgabe:  Richtig geraten – die Planung des Patientenfalles (STL und DICOM).  Ambitioniert! Aber bei so motivierten Teilnehmern gibt es keine Probleme, sondern nur Lösungen. Garantiert!

 

Fotografie: Yuhki Oka, Berlin

Modul 2 | 1.Tag

Das Dozententeam besteht diesmal aus Prof. Dr. Florian Beuer, OA Dr. Insa Herklotz und Ztm. Kurt Reichel.  Florian Beuer steigt mit der Thematik „Verschraubt versus zementiert“ in das Modul 2 ein. Bei den Zahnärzten ist die zementierte Version offenbar beliebter. Sie müssen an dem gewohnten Einsetz-Procedere nichts ändern. Der Zementüberschuss ist dabei sicherlich das größte Risiko (Bisserhöhung). Dafür kommt der Zahnarzt bei Problemen bei verschraubten Restaurationen leichter an das Implantat ran. Für den Zahntechniker ist bei verschraubten Lösungen der Kontakt zu den Nachbarzähnen schwerer einzustellen (ist nach dem Transfer in situ manchmal nicht mehr vorhanden) und er ist in der okklusalen Gestaltung gehandicapt. Verpflichtend für die Zahntechniker: Auch die Abutmentgestaltung und das Abutmentmaterial haben großen Einfluss auf die Qualität des Weichgewebes.  Spannende Diskussion zu diesen und anderen Themen. Überhaupt ist die konstruktive Diskussion der Themen – gemeinsam mit den Teilnehmern – ein Markenzeichen dieses Curriculums.

 Nun wird´s (etwas) blutig. Die Live-OP wird aus dem OP direkt in einen Schulungsraum übertragen. Kurt Reichel und Jockel Lotz kommentieren im Schulungsraum den Verlauf der OP. Die Teilnehmer sehen aufgrund der Stirnkamera die einzelnen Behandlungsschritte des Oparateurs (Florian Beuer assistiert von Insa Herklotz).  In der heutigen OP wird regio 36 ein Camlog Screw Line Promote Plus 4,3 der Länge 9mm gesetzt. Die OP dauert ca. eine halbe Stunde, dann vernäht Prof. Beuer die Wunde, damit das Implantat gedeckt einheilen kann. So blutig war´s gar nicht. Der Patient ist bester Laune und erfreut sich an seinem Coolpack und der Tatsache, dass er am Abend schon wieder etwas essen darf. Fragen zur OP? Florian Beuer bleibt keine Antwort schuldig und kann die Gruppe mit vielen einprägsamen Geschichten aus seiner Berufslaufbahn begeistern.

Schließlich müssen die Teilnehmer wieder selber ran. Sie lernen noch etwas über die Eigenheiten des verwendeten Implantatsystems, über Doppel-Sterilität und über das Bohrprotokoll und dann geht´s ins Praktische: Mit dem Rosenbohrer durch die Kompakta, dann kommt der Pilotbohrer mit Tiefenstopp zum Einsatz und in kleinen Schritten wird mit Formbohrern die konische Bohrung perfektioniert. Natürlich alles in lockerer Atmosphäre, am Kiefermodell und unter der Aufsicht von Dr. Insa Herklotz. Unser Dank gilt der Firma Camlog, die uns das Equipment für diese Übung zur Verfügung gestellt hat. Endlich Feierabend – und die Truppe darf zum Italiener. Ein anstrengender, aber ein erfolgreicher erster Tag des zweiten Moduls.

 

Fotografie: Yuhki Oka, Berlin

Modul 2 | 2.Tag

Zweiter Tag – und es geht mit Volldampf in Richtung Anwendungstechnik. Kurt Reichel zeigt worauf es ankommt. Konventionell oder digital? Erstmal egal, denn den Unterschied macht nicht der Einsatz von Technik, sondern unsere Expertise. Und die gilt es zu erhalten. Er zeigt etwaige Problemstellungen bei der offenen und geschlossenen Abformung, spricht über die Bissregistrierung auf Implantaten. Er regt an, gemeinsam mit seinen Zahnärzten eine klare Vorgehensweise zu definieren. Dabei wäre eine Checkliste sehr hilfreich. Schnell wird klar: Auf die Schnittstelle zwischen Zahnmedizin und Zahntechnik kommt es an. Und bei allem digitalen Fortschritt – der Patient bleibt analog.

Für den Zahntechniker beginnt die Arbeit im Labor mit der Modellherstellung. Und hier gilt selbst beim digitalen Vorgehen das Motto: Gute Modelle, gute Ergebnisse. Und für ihn gehört auch die herausnehmbare Zahnfleischmaske zur Modellherstellung. Weiter geht´s mit der Abutmentherstellung. Besonderes Augenmerk bekommt bei ihm der exakte Übergang von Implantat zum subgingivalen Anteil des Abutments und die saubere Verklebung der Komponenten. Viel Diskussionsbedarf. Kurt Reichel schätzt wissenschaftliche Studien – aber er hält die zahntechnischen Erfahrungswerte für mindestens ebenso wertvoll.

Wieder wird es Zeit für eine praktische Übung und die Teilnehmer dürfen selbst ausprobieren, wie man Implantate klassisch abformt. Ob offen oder geschlossen – beides nicht ganz einfach. Nur das der Zahnarzt zusätzlich noch mit dem Speichel, der Zunge, diversen Muskeln und manchmal auch dem Würgereiz des Patienten zu kämpfen hat. Würgereiz ist bei der digitalen Abformung nahezu ausgeschlossen. Und auch die digitale Abformung – den Intraoralscan – können die Teilnehmer selbst ausprobieren. Sie stellen sich sehr geschickt an. Eine noninvasive Technologie, mit der der Zahntechniker auf Wunsch den Zahnarzt in Zukunft entlasten kann? Vielleicht. Auf jeden Fall sollte er über Möglichkeiten und Grenzen der intraoralen Abformung Bescheid wissen.

Nach der Mittagspause geht Kurt Reichel auf die Bedeutung der Funktion und des korrekten Einartikulierens ein. Nach Studienlage ist das Frakturrisiko auf Implantaten deutlich höher als auf natürlichen Stümpfen. In der Implantatprothetik kommt daher der Funktion eine ganz besondere Bedeutung zu. Ein wichtiger Tipp in diesem Zusammenhang: Mit dem Artikulator-Zentrik-Registrat (AZR) ist es möglich alle Modelle – vom Situationsmodell bis zu Arbeitsmodell – perfekt zu synchronisieren. Die dadurch gewonnene Kontrollmöglichkeit ist die Basis einer sehr exakten Okklusion. Anders gesagt: Einschleifen war gestern. Jockel Lotz ergänzt die Ausführungen seines Kollegen noch durch die Thesen zur „Natural Head Position“ von Udo Plaster. Erwartungsgemäß gibt es auch hierzu rege Diskussionen. Beeindruckend ist, dass die verschiedenen Ansätze in der Gruppe durchaus kontrovers, aber immer kollegial diskutiert werden. Und so lässt Kurt Reichel den zweiten Tag des zweiten Moduls dann mit der Präsentation von einigen gelungenen Patientenfällen, in denen sich sein Workflow widerspiegelt, ausklingen. Auch diesmal wird bei der Verabschiedung klar: Die Vorfreude auf das dritte Modul ist groß. Hubert Schenk steht schon in den Startlöchern und möchte den Erwartungen unbedingt entsprechen. Wir freuen uns auf ihn!

 

Fotografie: Yuhki Oka, Berlin

Modul 3 | 1.Tag

Hubert Schenk ist ein Vollblutzahntechniker und Spezialist für Frontzahnrestaurationen. Trotzdem hat er noch nie in seinem Leben einen Zahn gemacht. Es wurde, wie er völlig ernst kommentiert,  immer nur eine Krone. Aber er hat natürlich auch einen gewaltigen Anspruch an „seine Kronen“: Jede Krone sollte immer so gut sein, dass der, der nichts davon weiß, zumindest in Zweifel gerät, ob es tatsächlich eine Krone ist.

Seine Vorgehensweise bei der Herstellung einer Rekonstruktion ist dabei immer gleich:  Er besteht darauf möglichst jeden Patienten in seinem Labor zu begrüssen. So ein „Kennenlern-Termin“ dauert bei ihm in etwa eine halbe Stunde. 50 Prozent der Zeit nutzt er dazu, eine Beziehung zum Patienten aufzubauen. Der Rest ist Farbnahme und zahntechnische Analyse und Diagnostik. Was dann folgt ist die Konzeption des Abutments und die Erarbeitung eines Langzeitprovisoriums. Alles in intensiver Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt. Und dann legt das Behandlungsteam  vorzugsweise eine lange Ruhephase ohne weitere Arbeitsschritte ein. Das Gewebe muss ruhen und reifen. Und reifen muss auch die Einstellung des Patienten zu seinen neuen Zähnen; er darf die Rekonstruktion im Alltag erleben. Im Vordergrund steht bei den von Hubert Schenk gefertigten Arbeiten immer die Funktion, wie er betont. Nie die Ästhetik. Sein Motto: „Hör immer auf den Patienten. Er sagt Dir in der Regel, ob Du Dein Ziel erreicht hast!“ Erst dann erfolgt, gemeinsam mit dem Zahnarzt, die Bestimmung des geeigneten Werkstoffes und die finale Umsetzung. 

Im weiteren Verlauf den Moduls geht Hubert Schenk auf die Entwicklung des Abutmentdesigns ein. Ein entscheidender Faktor ist für ihn die Entwicklung des Werkstoffes Zirkon und die Perfektionierung seiner Verarbeitung in der Zahntechnik. Und wo sieht er die Zukunft? In der Weiterentwicklung des Designs und der Maximierung der Biokompatibilität der verwendeten Materialen. Alles muss kontinuierlich auf den Prüfstand. Die Industrie wird dabei zur verlängerten Werkbank der Zahntechnik und die Zahntechnik wird die gewonnene Zeit dazu verwenden, sich noch vielmehr in die Serviceleistungen am und mit dem Patienten einzubringen. Natürlich gut bezahlt und immer in Abstimmung und im Auftrag des Zahnarztes. 

Kurze Pause. Und dann verfolgen die Teilnehmer gespannt wie Florian Beuer das Implantat 36 live freilegt. Anschliessend demonstriert er zwei Varianten der Abformung. Digital: Er scannt OK und UK. Unser Eindruck: Nich ganz so einfach, wie man vermutet. Und  dann analog: Prof. Beuer verblockt die Implantate in situ und demonstriert eine perfekte Permadyne-Abformung mit einem gedruckten, offenen Löffel. Noch etwas Theorie und Diskussionen – dann ist Feierabend. 

Am Abend laden die Dozenten die Teilnehmer zum Grillabend an der Charité ein. Ein kurzweiliger Abend, denn aus Kolleginnen und Kollegen sind längst Freunde geworden. Gut so!

 

Fotografie: Yuhki Oka, Berlin

Modul 3 | 2.Tag

Um 9:00 geht’s wieder los. Die digitalen Scandaten kommen ins Labor (siehe Vorabend). Was aus den digitalen Daten zu machen ist und wie man mit dem Datensatz umgeht, sollen uns zwei Co-Referenten, zwei Mitarbeiter der Firma BEGO zeigen. Die Vermittlung des Basiswissens läuft soweit perfekt. Aber bei der digitalen Gestaltung des Abutments wird schnell klar, dass unter den Teilnehmern einige Cracks mit besonderen Ansprüchen sitzen und dass man die Wünsche dieser Kolleginnen und Kollegen nur ansatzweise mit der vorliegenden Software umsetzen kann. Die Erkenntnis: Das digital hergestellte Produkt bleibt ein Halbfertigteil  und die Ergebnisse müssen der patientenspezifischen Situation angepasst werden. Wer nach Perfektion strebt kommt immer noch an die Grenzen des digitalen Angebotes und der Zahntechniker entscheidet auch in Zukunft, wann er die digitale Welt verlässt um individualisierend einzugreifen. Der Patient bleibt analog und in unserer Expertise liegt unsere Stärke. Dennoch liefert der Ansatz von BEGO schon erstaunlich gute Ergebnisse. Darauf kann man aufbauen. 

Hubert Schenk stellt anschließend seine Vorgehensweise bei der Herstellung von Einzelzahnabutments vor. Danach spricht er auch noch über die verwendeten Materialien zur Herstellung von Abutments und Kronen und die Entwicklung des Werkstoffes Zirkonoxid. Für Hubert Schenk darf die Krone bei Überbelastung durchaus als Sollbruchstelle gesehen werden, denn die Krone ist am leichtesten ersetzbar. Eine Schädigung des Implantates ist hingegen „worst case“. Auch Florian Beuer greift nochmal in die  Thematik „Materialien“ ein und ergänzt die Darlegungen seines zahntechnischen Kollegen aus zahnärztlicher Sicht. Mittagspause.

Der Nachmittag gehört im Wesentlichen den Fallbeispielen und Hubert Schenk zeigt zweifelsfrei, warum er mit zu den gefragtesten Frontzahn-Spezialisten in Deutschland zählt. Sein Vortrag war nicht nur fachlich hochklassig, sondern vor allem geprägt von Motivation. Die Kommentare in der WhatsApp-Gruppe sagen einmal mehr alles über die Gesamtstimmung der Seminare aus – hier ein kleiner Auszug …

Gerhard Knoll

Danke an alle für eure informativen und sehr guten Vorträge👍👍👍waren sehr interessant 😄😀😀

Martin Loitlesberger

Dankeschön lieber Hubert für dein Feuerwerk 🎆

Michaela Schmid

Dankeschön für das tolle Wochenende 🤗

Jennifer Stride

War absolut großartig. Danke für die tollen Vorträge!